Angebote & Kalkulation
Tiefenkalkulation und Zuschlagskalkulation im Handwerk: Material, Lohn und Marge richtig verbinden
Die Tiefenkalkulation zerlegt eine Angebotsposition in Arbeitszeit, Material und weitere Kosten und leitet daraus den Verkaufspreis mit einer Zielmarge ab. So sehen Sie, welcher Bestandteil den Preis trägt, wenn sich ein Einkaufspreis ändert oder die Nachkalkulation eine Abweichung zeigt.
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Inhalt dieses Artikels
- Wann ist eine tiefere Kalkulation sinnvoll?
- Wie kalkulieren Sie eine Position vom Einzelwert zur Auftragssumme?
- Warum sind Aufschlag und Marge unterschiedlich?
- Welche Doppelzählungen sollten Sie vermeiden?
- So unterstützt CraftOS
- Was bringt die spätere Nachkalkulation?
- Wie prüfen Sie eine Preisänderung vor dem Versand?
Wann ist eine tiefere Kalkulation sinnvoll?
Eine tiefere Kalkulation lohnt sich bei neuen Bauweisen, schwierigem Untergrund oder hohem Materialanteil, also überall, wo Unsicherheit und Verlustrisiko groß sind. Für eine bekannte Standardleistung genügt oft eine geprüfte Kalkulation aus einem früheren Auftrag.
Trennen Sie die interne Rechentiefe von der Darstellung für den Kunden. Er braucht einen verständlichen Leistungsumfang und einen Preis; zehn Materialanteile und drei Lohngruppen müssen nicht im Angebot stehen.
Wie kalkulieren Sie eine Position vom Einzelwert zur Auftragssumme?
Addieren Sie Arbeitszeit, Material und sonstige Auftragskosten zu den Gesamtkosten, teilen Sie durch die Menge und schlagen Sie die Zielmarge auf den Verkaufspreis auf. Im Musterprojekt werden 48 m² Wandfläche bearbeitet:
| Bestandteil | Berechnung | Kosten |
|---|---|---|
| Arbeitszeit | 12 Stunden × 60 € | 720 € |
| Beschichtungsmaterial | Gemäß Mengenansatz | 350 € |
| Sonstige Auftragskosten | Einrichtung und Hilfsmittel | 130 € |
| Gesamtkosten | 720 € + 350 € + 130 € | 1.200 € |
Die Kosten je Quadratmeter betragen 25 €. Bei einer Zielmarge von 20 % ergibt sich ein Verkaufspreis von 1.500 € netto, also 31,25 € je Quadratmeter.
Alle Zahlen sind Beispiele. Der Materialbedarf hängt von Produkt, Untergrund und Schichtaufbau ab; notieren Sie diese Bedingungen an der Kalkulation, damit sie nicht für einen ungeeigneten Auftrag wiederverwendet wird.
Warum sind Aufschlag und Marge unterschiedlich?
Der Aufschlag bezieht den Gewinn auf die Kosten, die Marge auf den Umsatz. Bei 1.200 € Kosten und 1.500 € Verkaufspreis beträgt der Gewinn 300 €: Das sind 25 % der Kosten und 20 % des Umsatzes.
Beim Nachlass wird der Unterschied sichtbar. Gewähren Sie auf 1.500 € einen Rabatt von 10 %, bleiben 1.350 € Umsatz und 150 € Gewinn; die Marge sinkt auf rund 11,11 %, der Gewinn halbiert sich.
Mit dem Angebots- und Margenrechner prüfen Sie einen vorhandenen Angebotspreis. So erkennen Sie auch negative Ergebnisse, die ein scheinbar ausreichender Aufschlag verdeckt.
Welche Doppelzählungen sollten Sie vermeiden?
Enthält Ihr interner Stundensatz bereits Gemeinkosten, legen Sie dieselben Kosten nicht noch einmal als Gemeinkostenzuschlag auf die Position. Sonst überschätzen Sie die Kostenbasis.
Umgekehrt fehlen Kosten, wenn Sie nur den Bruttolohn verwenden und betriebliche Nebenkosten auslassen. Dokumentieren Sie deshalb, was der verwendete Kostensatz enthält.
Ein Verkaufssatz einschließlich Gewinn gehört nicht als interner Kostensatz in eine Kalkulation, die danach erneut Gewinn aufschlägt. Der Stundensatzratgeber erklärt eine einfache Gesamtkostenmethode.
So unterstützt CraftOS
In der Web-App hinterlegen Sie unter „Einstellungen → Lohngruppen“ je Lohngruppe die Lohnkosten und den Verrechnungssatz pro Stunde. Unter „Zuschläge & Margen“ legen Sie die Vorbelegung für neue Positionen fest, etwa „Lohnaufschlag“, „Materialaufschlag“, „Wagnis“ und „Gewinn“.
Im Angebotseditor öffnen Sie an der Position die „Preiskalkulation“. Unter „Kostenzeilen (EK)“ erfassen Sie Lohn mit Lohngruppe, Material, Geräte, Fremdleistung und Sonstiges; daraus ergibt sich der „Verkaufspreis (VK)“.
Prüfen Sie Einheiten, Bezugsmenge und die übernommenen Zuschläge. Ändern sich Einkaufspreise im Artikelstamm, kontrollieren Sie zuerst eine Position vollständig, bevor Sie viele ähnliche anpassen. Die Hilfe zur Positionskalkulation beschreibt jeden Schritt.
Was bringt die spätere Nachkalkulation?
Sie zeigt genau, wo ein Auftrag vom Plan abwich. Wurden 15 statt 12 Stunden gebraucht, entstehen bei 60 € internem Kostensatz 180 € Mehrkosten; bei gleichem Material und Preis sinkt der Gewinn von 300 € auf 120 €.
Klären Sie danach die Ursache: unrealistischer Zeitansatz, veränderter Umfang, Wartezeit oder eine nicht berechnete Zusatzleistung. Passen Sie Ihre Kalkulationsannahmen erst an, wenn der Grund verstanden ist; so wird die Nachkalkulation zur Grundlage besserer Angebote.
Wie prüfen Sie eine Preisänderung vor dem Versand?
Ändern Sie probeweise genau einen Einflussfaktor und beobachten Sie den Rechenweg. Steigt im Beispiel das Material von 350 € auf 400 €, wachsen die Selbstkosten auf 1.250 €; bei 20 % Zielmarge wären 1.562,50 € netto nötig.
Bleibt der Angebotspreis bei 1.500 €, sinkt der Gewinn auf 250 € und die Marge auf rund 16,67 %. Entscheiden Sie dann bewusst: Preis anpassen, Ausführung ändern oder geringere Marge akzeptieren.
Halten Sie die gewählte Annahme fest. So bleibt später nachvollziehbar, warum der Auftrag so kalkuliert wurde.